Welche Farben passen zusammen?

Jede Farbe hat eine bestimmte Wirkung auf uns (siehe Blogartikel: Farbpsychologie). Jedoch wirken Farben auch in Kombination bzw. Wechselwirkung – hier spricht man von verschiedenen Farbkontrasten. Johannes Itten (1888 bis 1967) hat sieben Farbkontraste definiert, die diese Wechselwirkungen beschreiben.

Farbkreis_Itten_1961
Farbkreis nach Johannes Itten
Quelle: Wikipedia.org

Das Wissen zu den verschiedenen Farbkontrasten ist vielleicht bei der Gestaltung für den nächsten Flyer oder das nächste Plakat hilfreich:

Farbe an sich-Kontrast
Der Farbe-an-sich-Kontrast beschreibt die Wechselwirkung von mindestens zwei Farben. Am stärksten ist dieser Kontrast, wenn die Farben Gelb, Blau und Rot nebeneinander genutzt werden. Ein starker Farbe-an-sich-Kontrast wirkt oft bunt, laut, kraftvoll und entschieden. Wenn diese Farben gemischt werden, schwächt sich der Kontrast allerdings ab.

Kalt-Warm-Kontrast
Der Kalt-Warm-Kontrast bezeichnet die unterschiedliche Empfindung von Menschen beim Anblick von Farben. Die beiden Extremwerte des Kalt-Warm-Kontrastes sind Blau-Grün als sehr kalte Farben und Rot-Orange als sehr warme Farben. Versuche haben gezeigt, dass beispielsweise blaue Wände als „kalt“ empfunden werden, bei gleicher Zimmertemperatur orange-rote Wände aber als angenehm „warm“. Kennt man diese Wirkung, kann man mithilfe des Farbkontrastes Temperatureffekte auf der Grafik simulieren.

Hell-Dunkel-Kontrast
Mit dem Hell-Dunkel Kontrast wird ein Effekt bezeichnet, der durch die unterschiedliche Farbhelligkeit zweier Farben entsteht. Dieser Kontrast kommt sowohl bei den als „unbunt“ bezeichneten Farben Schwarz, Weiß und Grau vor wie auch bei Buntfarben vor. Mit Hilfe dieses Kontrastes kann eine gewisse Plastizität erzeugt werden, d.h. es verhilft zur besseren räumlichen Sichtbarkeit.

Qualität-Kontrast
Der Unterschied zwischen klaren und stumpfen Farben wird bei Johannes Itten im Qualitätskontrast beschrieben. Mischt man Schwarz oder Weiß zu Farben hinzu, so erhält man trübere Nuancen. Selbst abgestumpfte Farben entfalten aber beispielsweise neben Grau immer noch ihre Wirkung. Es kommt also auch auf die benachbarten Farben an.

Komplementär-Kontrast
Auf dem Farbkreis von Johannes Itten stehen sich die Komplementärfarben jeweils gegenüber. Die Theorie des Komplementärkontrasts besagt, dass sich diese Farben gegenseitig in ihrer Leuchtkraft bestärken, wenn sie nebeneinander stehen.

Simultan-Kontrast
Der Simultankontrast besagt, dass nebeneinander aufgebrachte, ungemischte Pigmente stärker wirken als gemischte oder als die allein stehenden Pigmente. Dieses Prinzip kann auch als optische Täuschung genutzt werden: wenn z.B. eine weiße Fläche von einer farbigen Fläche umgeben ist, wirkt sie plötzlich nicht mehr so weiß.

Quantität-Kontrast
Der Quantitätskontrast wird auch als Mengenkontrast benannt und beruht – im Unterschied zum Qualitätskontrast – auf der Gegenüberstellung verschieden großer Farbflächen. Farben wirken in unterschiedlichen Größen harmonisch: Rot und Grün kann man z.B. in gleichem Anteil nebeneinander stellen, dagegen sollte bei der Kombination Orange-Blau für einen homogenen Eindruck das Blau überwiegen.


Wer sich nach all den theoretischen Betrachtungen aber immer noch unsicher ist, wie Farben in Kombination wirken, kann das auch praktisch mit Hilfe verschiedener Farbfinder Tools austesten:

ColorSchemer

color.schemer

Die Anwendung ColorSchemer Studio 2 ist für Mac oder Windows für jeweils 49,99 US-Dollar erhältlich. Kernstück des Programms ist ein Farbrad, über das sich Farbharmonien in den Farbräumen RGB fürs Web oder CMYK für Drucksachen herausfinden lassen. Als Grundlage für die Farbwahl können einzelne Farbtöne oder auch Fotos dienen. Zudem kann sich der Nutzer durch bereits fertige Farbschemata inspirieren lassen. Daneben gibt es die Möglichkeit im App Store ColorSchemer Touch für das iPhone oder den iPod touch für 2,99 US-Dollar zu erwerben. Auch einen sozialen Aspekt bietet die Anwendung: über die ColorSchemer Gallery können Nutzer ihre Farbkombinationen hochladen und miteinander teilen. Die englischsprachige Version Color Scheme Designer steht Online zur Verfügung. Hier kann man per Mausklick Farbnuancen auswählen und das Farbharmonie-Schema variieren. Besonders für Webdesigner ist dieses Tool geeignet. Das erstellte Farbschema lässt sich beispielsweise in eine Muster-Website übernehmen. Zudem können sogar mit verschiedenen Einstellungen Sehbehinderungen simuliert werden. Damit kann z.B. veranschaulicht werden, wie Menschen mit Rot-Grün-Blindheit die Farben wahrnehmen.

Adobe Kuler
adobe.kuler
Auf den Adobe Kuler lässt sich zum einen über die Creative Suite von Adobe zugreifen oder ist zum anderen direkt online verfügbar. Hier lassen sich unterschiedliche Farben und ihre Wirkung zueinander über Regler einstellen und vergleichen. Zudem kann auch auf fertige Farbschemata zugegriffen werden. Genauso wie auch bei ColorSchemer kann als Ausgangspunkt ein Foto oder auch nur eine einzelne Farbe dienen. Wenn man einen Account besitzt, können Farbzusammenstellungen auch gespeichert und bei Bedarf wieder abgerufen werden. Wer Photoshop CS nutzt, kann Kuler einfach über „Fenster“ und „Erweiterungen“ aufrufen.

Color Selector
colorselector
Der Color Selector ist ein Farbwähler für Harmoniekontraste. Der Zweck des Color Selectors ist es, zueinander passende Farben zu finden. Die Elemente des Color Selectors sind so angeordnet, dass eine bestimmte Farbkombination anschaulich beurteilt werden kann, bevor sie in ein Layout integriert wird. Es können Zweier-Harmonien, Dreier-Harmonien, Vierer-Harmonien, Auffächerungen und Farbreihen ermittelt werden. Es ist auch möglich, ganz individuelle Farbkombinationen einzustellen. Die aktuelle Vollversion 3.25 bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten und ein Tutorial zur Harmonielehre und ist für 29 Euro erhältlich. Es gibt aber auch eine Shareware, mit der das Programm getestet werden kann.

Und wem das immernoch nicht ausreicht, der kann sich hier noch zu den besten 20 Tools  zur Farbfindung belesen.
Colour your Life!!! :-)


 
 

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